Schlagwortarchiv: 1960er Jahre

SER2B -Einadressrechner

#0131

Objektbezeichnung:
Programmgesteuerter elektronischer Kleinrechner
Hersteller / Marke / Herstellungsort
Entwicklung:
VEB Elektronische Rechenmaschinen Karl-Marx-Stadt (ELREMA)
Produktion:
VEB Rechenelektronik Zella-Mehlis
Modell:
SER 2b – Serieller Einadress-Rechner mit Cellatron SE5 /A
Objektart:
Computertechnik / Elektronischer Kleinrechner / Programmgesteuerter Rechner
Datierung:
1964 (Entwicklung SER-Reihe 1961)
Maße:
Gewicht:
Seriennummer / sonstige Nummern:
90
Material / Technik:
Metallgehäuse, elektronische Baugruppen mit Transistoren und Dioden, Magnettrommelspeicher, elektrische Schreibmaschine als Ein-/Ausgabegerät, Lochbandabtaster.
Der Rechner arbeitet vollständig transistorisiert. Als Arbeitsspeicher dient eine rotierende Magnettrommel. Beim SER2B besaß diese 16 Spuren mit jeweils 16 Sektoren zu 48 Bit. Daraus ergab sich eine Speicherkapazität von 1536 Byte. Die Trommel drehte sich mit etwa 3000 U/min.
Beschreibung:
Der SER2B war ein früher programmgesteuerter Kleinrechner der DDR und eine Weiterentwicklung des SER2A. Äußerlich war er diesem weitgehend ähnlich, verfügte jedoch über eine doppelte Speicherkapazität und eine doppelte Rechengeschwindigkeit.

Die Ein- und Ausgabe erfolgte über ein elektrisches Schreibwerk (Cellatron) SE5A. Programme wurden über Lochstreifen eingegeben. Beim SER2B konnten auch Operanden über Lochstreifen zugeführt werden. Eine Verarbeitung von Buchstaben bzw. alphanumerischen Zeichen war nicht möglich.

Der SER2B arbeitete nach dem Prinzip eines programmgesteuerten Einadressrechners. Das Programm wurde im Speicher abgelegt und anschließend Befehl für Befehl abgearbeitet.

Der Befehlsvorrat war mit insgesamt 18 Befehlen vergleichsweise klein:
8 Befehle für die Arithmetik
2 Sprungbefehle
3 Ein-/Ausgabebefehle
2 Transportbefehle
3 Befehle zur Druckersteuerung

Damit konnten trotz des kleinen Befehlsumfangs bereits anspruchsvolle Rechenprogramme erstellt werden.
Funktion:
Die Rechenoperationen waren weitgehend elektronisch fest verdrahtet. Der Rechner beherrschte die vier Grundrechenarten Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Die Struktur der Rechenabläufe orientierte sich noch deutlich an den zuvor üblichen mechanischen und elektromechanischen Rechenmaschinen.

Der Rechner war für wirtschaftliche, technische und wissenschaftliche Berechnungen vorgesehen. Er konnte beispielsweise für Lohnberechnungen, Verwaltungsaufgaben sowie umfangreichere wissenschaftliche Rechenaufgaben eingesetzt werden.
Zustand / Preis /Wert:
Vollständig
Provenienz:
MBN Naunhof, Förderverein FK ISC
Schlagwörter:
SER 2b, SER2b, Einadressrechner, ELREMA, Karl-Marx-Stadt, Zella-Mehlis, DDR, Transistorrechner, Magnettrommelspeicher, Kleinrechner, Computer, elektronische Datenverarbeitung, 1960er Jahre
Bemerkungen:
Der SER2B ist ein besonders wichtiges Zeugnis für den Übergang von der mechanischen und elektromechanischen Rechentechnik zur elektronischen Datenverarbeitung in der DDR.

Mit dem SER2 wurde ein vollständig transistorisierter, programmgesteuerter Kleinrechner in Serie gefertigt. Damit konnten Rechenaufgaben, die zuvor mit mechanischen Buchungs- und Rechenmaschinen durchgeführt wurden, zunehmend elektronisch und programmgestützt bearbeitet werden.

Bemerkenswert ist die enge Verbindung zwischen der älteren Rechentechnik und der neuen Elektronik: Die Arbeitsweise und Befehlsstruktur orientierten sich noch an den Abläufen mechanischer Vierspezies-Rechenmaschinen, während Speicher, Steuerung und Rechenwerk bereits elektronisch mit Transistoren realisiert waren.

Der SER2B zeigt damit sehr anschaulich eine Übergangsstufe in der Computergeschichte: Er war bereits ein programmierbarer Computer, besaß aber noch eine Bedien- und Rechenstruktur, die stark von der klassischen Büromaschinenwelt geprägt war.
Zubehör oder andere Dokumente im Museum:
Befehlsliste, Werbematerial, Bedienungshilfen
Literatur / Vergleichsobjekte:
Zeitschriftenreihe „Neue Technik im Büro“ 11/1961 (ein neuer Elektronischer Kleinrechner) bis 06/1966 (Kleinrechner setzen sich durch)
Jacobs/Tumma „Von Mercedes zu Robotron“, Heinrich Jung-Vertragsgesellschaft
Zella Mehlis 2006
Unterlagen zum Symposium „Informatik in der DDR-eine Bilanz“, zu erreichen unter http://www.foerderverein-tsd.de/
Handbuch Kleinrechenautomat Cellatron SER2, Büromaschinenwerke Zella-Mehlis
Bedienungsanleitung Kleinrechenautomat SER2
Bedienungsanleitung Kleinrechenautomat SER2b
Vergleichsobjekte: Cellatron SER2A, SER2C, SER2D
KI-Unterstützung
SER2B Typenschild (Bild: MEIK MüllerUJ Originalobjekt)
SER2B Bedienpult und Schreibwerk (Bild: MEIK MüllerUJ Originalobjekt)
SER2B Platinen des Rechners (Bild: MEIK RichterA Originalobjekt)
SER2B Trommelspeicher (Bild: MEIK RichterA Originalobjekt)
SER2B Befehlsliste (Bild: MEIK MüllerUJ Originalobjekt)

RSM1

#0104

RSM1 (Bild: MEIK MüllerUJ Originalobjekt)
Objektbezeichnung:
Ruf- und Signalmaschine
Hersteller / Marke / Herstellungsort
VEB Fernmeldewerk Arnstadt (DDR, Vertrieb RFT)
VEB Elektromotorenwerk Hartha (Motor/Generator, DDR, VEM)
Modell:
RSM1
Objektart:
Fernmeldetechnik / Nachrichtentechnik / Vermittlungstechnik
Datierung:
1962 (Produktion der Geräte zwischen 1960 – 1970)
Maße:
B/H/T 38,5 x 20 x 27,5
Gewicht:
ca. 20 kg
Seriennummer / sonstige Nummern:
RSM 15VA GWN – 2133.009-21002Sp / Fabr.-Nr. 00107 (Maschine)
RSM 119 65 6665 55/34788 (Motor/Generator)
Material / Technik:
Metallgehäuse, Elektromotor, Generator, Nocken- und Schaltwerk, elektromechanische Signaltechnik, Gleich- und Wechselstromtechnik, Einsatz in Fernsprechvermittlungsanlagen.
Besonders auf der Rückseite der RSM1 sieht man mehrere Komponenten:
Antriebsmotor, das mechanische Nockenwerk zur Erzeugung der Ruf- und Hörzeichen (mechanisch programmiert) sowie der Relaisblock (RFT) zur Steuerung der Signalabläufe.
Die Signale des Telefonnetzes wurden vollständig elektromechanisch erzeugt – ohne elektronische Schaltungen oder Halbleiter.
Beschreibung:
Die RSM 1 (Ruf- und Signalmaschine) ist ein elektromechanischer Signalgeber für Fernsprechvermittlungsanlagen. Der Hersteller VEB Fernmeldewerk Arnstadt war ein bedeutender Betrieb der DDR-Nachrichtentechnik, der sich auf Telefon- und Vermittlungstechnik spezialisierte. Die Maschine musste die für den Telefonbetrieb notwendigen Ruf- und Hörsignale zu erzeugen. Dazu gehörten die Rufwechselspannung für das Läuten der Telefonapparate sowie die charakteristischen Hörzeichen wie Wählton, Freiton und Besetztzeichen.
In elektromechanischen Vermittlungsstellen stellte die Ruf- und Signalmaschine eine zentrale Betriebseinrichtung dar; ihr Ausfall konnte die Funktion der gesamten Vermittlungsstelle beeinträchtigen.
Technisch arbeitet die RSM als Motor-Generator-Umformer. Ein Elektromotor treibt über eine gemeinsame Welle Generatoren und Schaltwerke an, die die erforderlichen Frequenzen und Taktfolgen erzeugen.
Typisch waren Rufspannungen von 55-75V bei ca. 25 Hz für die Anrufsignalisierung sowie Hörtonfrequenzen um 450 Hz für die akustischen Vermittlungssignale. Für die Bereitstellung von Steuer- und Zeitkontakten hatte die Maschine 15VA Leistung und 60V Versorgungsspannung.
Die RSM 1 dokumentiert eine wichtige Epoche der Fernmeldetechnik, in der akustische Telefonsignale noch vollständig elektromechanisch erzeugt wurden. Erst mit der Einführung elektronischer Vermittlungstechnik wurden solche Maschinen durch elektronische Tongeneratoren ersetzt.
Funktion:
Erzeugung der Rufspannung für Telefonapparate sowie der akustischen Vermittlungssignale (Wählton, Freiton, Besetztton und weitere Betriebszeichen) in Fernsprechvermittlungsanlagen.
Zustand / Preis /Wert:
gebraucht, nicht geprüft, ursprünglicher Einsatz in Chemnitz, Sammlerwert je nach Zustand und Vollständigkeit ca. 50–200 €
Provenienz:
EDV-Amt Stadt Chemnitz
Schlagwörter:
Fernmeldetechnik, Telefonie, Vermittlungsstelle, Ruf- und Signalmaschine, Nachrichtentechnik, DDR, RFT, Elektromechanik, Fernsprechtechnik, 1960er Jahre
Bemerkungen:
Ruf- und Signalmaschinen gehörten zu den unverzichtbaren Baugruppen analoger Telefonvermittlungsstellen. Größere Anlagen verfügten häufig über zwei Maschinen, um bei einem Ausfall automatisch auf ein Reservegerät umschalten zu können. Die von der Maschine erzeugten und damals allbekanntenTonfolgen prägten jahrzehntelang die akustische Wahrnehmung des Telefonnetzes.
Die verschiedenen Telefon-Signale wurden durch das Zusammenspiel von:
Motor, Nockenwerk, Kontakten, Relais erzeugt.
Die Maschine ist damit ein typisches Beispiel für die Fernmeldetechnik der 1950er- und frühen 1960er-Jahre, unmittelbar vor dem Übergang zu transistorisierten Tongeneratoren.
Der Hersteller in Arnstadt war ab 1938 ein Zweigwerk des Erstaustatters der Industrieschule Chemnitz „Siemens & Halske“.
Zubehör oder andere Dokumente im Museum:
Literatur / Vergleichsobjekte:
VEB Fernmeldewerk Arnstadt – historische Produktionsunterlagen und Fernmeldetechnik-Dokumentationen.
www.robotrontechnik.de
Vergleichsobjekte: RSM Fernsig 5030, Ruf- und Signalmaschine RSM Bauart 30
Vermittlungstechnik-Wählsystem 22 (Siemes-Schuckertwerke), elektromechanische Ruf- und Signalmaschinen in Ortsvermittlungsstellen der Deutschen Post.
KI-Unterstützung
RSM1 Rückseite (Bild: MEIK MüllerUJ Originalobjekt)
RSM1 Typenschild (Bild: MEIK MüllerUJ Originalobjekt)
RSM1 Motor (Bild: MEIK MüllerUJ Originalobjekt)
RSM1 Typenschild Motor (Bild: MEIK MüllerUJ Originalobjekt)